Perlen der Literatur

Buchreihe des Input-Verlages, Hamburg

Mit Hardcover, Fadenheftung, Leinenbezug, Prägung und Premium-Papier wirbt der Verlag für diese Buchreihe, die den Namen meines Blogs hier trägt – ein Zufall, ja, das ist wirklich ein Zufall, das eine Buchreihe und ein Blog namensgleich zusammenkommen. Nun, während ich literarische Perlen mehr finde als suche, oder sie auf mich auf unterschiedlichen Wegen zugerollt kommen, stellt der Verleger Ralf Plenz diese in seinem Verlag her und gestaltet sie kalligrafisch mit. Ein Team von Germanisten, Anglisten, Romanisten, Buchhändler, Bibliothekare, Psychologen und Vielleser, wie er auf seiner Internetseite schreibt, stöbern im Dschungel der hauptsächlich im 19. und 20. Jahrhundert erschienenen Klassiker, ein kleiner Beirat wählt sodann die Titel aus, die teilweise leicht bearbeitet, gekürzt und sprachlich modernisiert werden.

Ausgepackt halte ich diese Perlen in der Hand – und finde all die Schlagworte optisch und haptisch vor mir. Der Hardcovereinband wird ergänzt um die gefaltete Bauchbinde, die vom Verleger farblich kalligrafisch gestaltet ist, deren Stichworte auf den Inhalt schon hinweisen und neugierig machen; gleichzeitig kann diese als Lesezeichen genutzt werden. Klappt man die Bauchbinde auf, so offenbaren sich im inneren Teil weitere Titel dieser Reihe. Im Innentext links ist der Inhalt des Buches kurz und knackig beschrieben, rechts ist auf die Autorin oder den Autor verwiesen.

Blauer Leinenbezug und silberne Prägung, allein das ist edel genug. Zudem hat jeder Titel der Reihe ein individuell gestaltetes Vorsatzblatt. Durch ebenfalls kalligrafisch gesetzte Textzitate wird das Lesen des Fließtextes optisch aufgelockert. Als wäre das nicht genug, endet jeder Roman nicht einfach beim letzten Wort der Verfasserin oder des Verfassers – man darf sich überraschen lassen. Wo es erforderlich ist, erläutert ein Anhang noch wesentliches. Was dann folgt ist besonders schön, der bibliophile Rückblick, den der Verleger fotografisch und detalliert erläutert.

Der Verleger Ralf Plenz ist mit der bisher beschriebenen Gestaltung der jeweiligen Perle jedoch noch nicht fertig. Jeder Roman, jeder Text hat seine eigene Typographie und weitere, winzige optische Besonderheiten, die jedes Buch aus der Reihe zu einer in sich geschlossenen Muschel werden lässt, die, öffnet man sie, sich voll und ganz in ihrer Schönheit entfaltet. Hier haben wir es mit einer sehr aufwändigen Buchgestaltung zu tun, und wenn ich dachte, nun hätte ich alles erfasst, irrte ich, denn ich entdeckte noch weitere Details, die ich der Leserin und dem Leser nicht vorwegnehmen will .

Die Titel, die diese Perlen schmücken (Seefahrt tut not von Gorch Fock, Einbahnsstraße von Walter Benjamin, Eine blassblaue Frauenschrift von Franz Werfel, Die Schatzinsel von Robert L. Stevenson oder 1984 von George Orwell, hier als Band 5 in der Neuübersetzung von Gerrit Pohl, u. a.) – bis dato 13 an der Zahl – sind der Vielleserin bzw. dem Vielleser sicher bekannt, der Sammlerin und dem Sammler sowieso. Aber Perlen darf man getrost auch entdecken: Die österreichische Autorin Hannelore Valencak beispielsweise, ob zahlreicher Literaturpreise weniger bekannt, ist ein echter Geheimtipp. In ihrem fantastischen Roman „Das Fenster zum Sommer“ der, wie im Vorwort hingewiesen, 2011 bereits von Hendrik Handgloeten als „Fenster zum Sommer“ mit Nina Hoss in der Hauptrolle verfilmt wurde (übrigens sehenswert), begleiten wir die Gedanken der Protagonistin Ursula über ihre Sehnsucht nach Freiheit, während sie mit ihrer Tante Priska zusammen wohnen muss. Vielmehr aber, und das ist der rote Faden des Romans, ist sie von ihrer Sehnsucht getrieben, ihren Mann noch einmal kennenzulernen, denn sie wurde plötzlich Monate zurück in ihr bisheriges Leben katapultiert, wissend, das was kommt, alles schon einmal erlebt zu haben. Sie wollte diese zweite Chance nutzen, um in die Geschehnisse einzugreifen, aber den Tod ihrer Kollegin im Übersetzerbüro konnte sie trotz allem nicht verhindern. Schicksal bleibt Schicksal. Auch ihr eigenes. Äußerst spannend konstruiert, jedoch auf verschiedenen Zeitebenen spielend, erfordert die Lektüre konzentriertes und aufmerksames Lesen, dafür wird man intensiv in die Geschichte mit hineingezogen, fiebert und zittert mit der Protagonistin mit, den bereits geschehenen Ereignissen entgegen.

Der von einem Aufenthalt der Autorin Elisabeth von Arnim im Castello Brown bei Portofino inspirierte Gesellschaftsroman „Bezaubernder April“ hat mich allein schon des Vorwortes des Übersetzers (Gerrit Pohl) wegen gereizt zu lesen, der mich als Leserin fragt: „Ihr Liebesleben ist gestört? Ihre Zukunft ist die Vergangenheit? Sie leiden unter Ihrer Unscheinbarkeit? Sie können sich der Zudringlichkeit anderer nicht erwehren? Lesen Sie das Vorwort, das uns auch mehr über die Autorin verrät, außerdem ist es sehr lesenswert, so dass ich nichts weiter vorwegnehmen möchte. Im Klappentext der Bauchbinde heißt es: „Zu Beginn der 1920er Jahre bringt eine kleine Anzeige in der „Times“ zwei Londoner Frauen zum gleichen Entschluss: den April fern des alltags am Golf von Genua in einer zu vermietenden Villa zu verbringen. Gemeinsam mit zwei weiteren Damen aus unterschiedlichen Schichten der englischen Gesellschaft verleben sie die bezaubernde Zeit in der Villa „San Salvatore“. Aus ihnen entwickelt sich ein Bund von Freundinnen und die Frauen finden sowohl zu sich selbst als auch zu ihren Männern.“ Freunde der Bücher Jane Austens werden sich hier bei diesem 1922 unter dem Titel „Verzauberter April“ erschienenen Roman an die englische Autorin erinnert fühlen. Von Arnims erfrischender, lockerer und vor allem sehr Dialog reicher Schreibstil lässt nicht nur die englischen Damen ihrer Zeit lebendiger werden, auch als Leser:in lebt man neu auf und möchte postwendend zu dieser alten Villa reisen und eine Auszeit nehmen.

Nehmen Sie sich Zeit, diese literarischen Perlen der Reihe nach zu lesen, in Ruhe, denn sie sind allesamt keine Bücher, die sich schnell mal eben durchlesen. Eben weil es sich um anspruchsvolle Literatur handelt, gilt es, Ihnen gebührend Zeit und Aufmerksamkeit zu widmen.

Ach, haben Sie schon von Franz Kafka „Forschungen eines Hundes, Der Bau“ gelesen?

Übrigens, jedes Buch hat ein erfrischendes Vorwort, das den Leser einstimmt auf das, was ihn oder sie erwartet. Mit und in diesen Büchern stimmt alles, sie in die Hand zu nehmen und nur darin zu blättern allein ist schon eine wahre Wonne.

Und zum Schluss: Ein einheitlich günstiger Ladenpreis trotz eines Buchumfangs zwischen 160 und 400 Seiten, wie der Verlag sie bewirbt, rundet das Œuvre ab. Zum Verschenken sind sie erst recht hervorragend geeignet; und: Der Buchhändler vor Ort wird dankbar sein, diese Bücher durch eine Bestellung kennengelernt zu haben.

Ganz herzlich bedanke ich mich bei Ralf Plenz, dem Verleger des input-Verlages, Hamburg, für die Überlassung der Bände aus der Reihe Perlen der Literatur.

http://www.input-verlag.de


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